Impulsvorträge für Männer und Paare

Inhalt

Am Valentinstag 2026 darf ich im Berliner Bezirk Weißensee einen Impulsvortrag zu bewusster Beziehungsarbeit halten – im „Mira Flores“ in der Bizetstraße 77. Um 15:15 Uhr für Paare, um 16:00 Uhr speziell für Männer. 

Der nächste Termin findet im Cornus, Mahlerstraße 36, am Freitag, den 20.03., um 19:30 Uhr für Paare und um 20:15 Uhr für Männer statt. Weitere Abende im Kiez sind geplant.

Warum diese Vorträge? Weil Beziehungskonflikte selten an fehlender Liebe scheitern – sondern an fehlendem Verständnis für unterschiedliche Stressregulation, Bindungsmuster und emotionale Schutzstrategien. 

Wer lernt, Konflikte nicht persönlich zu nehmen, sondern sie aus einer übergeordneten Perspektive – und zugleich aus tiefer Selbstwahrnehmung – zu betrachten, erlebt oft eine radikale Entlastung. Genau darum geht es in diesen Impulsvorträgen in Berlin-Weißensee: um Bewusstsein, Bindung und echte emotionale Reife.

Teil 1: Für Paare – Autonomie und Nähe in der Partnerschaft verstehen

In der Paarberatung begegnet mir immer wieder dieselbe Frage: „Warum reagieren wir so unterschiedlich?“ Oft wird vorschnell von zwei festen Typen gesprochen – dem Autonomie-Typ und dem Verschmelzungs-Typ. Doch moderne Bindungstheorie zeigt: Beide Bewegungen leben in jedem von uns. Je nach Situation, Stressniveau und Lebensbereich greifen wir entweder zur Nähe-Strategie oder zur Distanz-Strategie. Es handelt sich nicht um Charaktereigenschaften, sondern um Regulationsformen unseres Nervensystems.

Unter Druck sucht ein Teil von uns das Gespräch, Klärung, emotionale Verbindung. Ein anderer Teil braucht Abstand, Struktur oder Rückzug, um sich selbst wieder zu stabilisieren. Diese Dynamik ist zutiefst menschlich. Problematisch wird sie erst, wenn Partner unterschiedliche Strategien gleichzeitig aktivieren und die Reaktion des anderen als Ablehnung oder Angriff interpretieren.

Hinzu kommen gesellschaftliche Prägungen. Viele Männer erleben im beruflichen Kontext eine starke Identifikation mit Leistung und Rolle. Arbeit wird zum Ort von Zugehörigkeit und Selbstwert. Im privaten Bereich hingegen wird Autonomie oft über Rückzug oder funktionales Handeln gelebt – als vermeintlich verantwortliche Form des Sorgens. Frauen investieren statistisch häufiger emotionale Energie in soziale Systeme wie Familie, Freundschaften und Gemeinschaft. Dort entsteht Verschmelzung als Ausdruck von Bindung. Gleichzeitig leben auch sie Autonomie – etwa in beruflicher Selbstverwirklichung, klaren inneren Grenzen oder in eigenständigen Entscheidungen jenseits der Partnerschaft.

Wer diese Dynamik versteht, erkennt: Beziehungskonflikte sind keine Beweise mangelnder Liebe. Sie sind Ausdruck unterschiedlicher Stressregulation. Bewusste Liebe beginnt dort, wo wir die Muster erkennen, statt sie gegeneinander auszuspielen.

Teil 2: Für Männer – Bindungsmuster, Rückzug und emotionale Missverständnisse

In der Männerarbeit zeigt sich häufig eine besondere innere Spannung. Viele Männer erleben sich nach außen leistungsfähig und autonom – und gleichzeitig innerlich bindungsbedürftig. Diese Ambivalenz wird selten bewusst reflektiert. Bindungsforschung und Polyvagaltheorie erklären jedoch gut, was hier geschieht: Wenn emotionale Nähe alte Verletzlichkeit oder Scham aktiviert, reagiert das Nervensystem mit Rückzug.

Das bedeutet nicht Gefühllosigkeit. Im Gegenteil. Studien zeigen, dass viele Männer physiologisch stark auf Beziehungskonflikte reagieren, ihre Emotionen jedoch weniger differenziert benennen können. Der Rückzug dient der Selbstregulation. Autonomie wird zur Schutzstrategie, wenn Nähe als Überforderung erlebt wird.

Gerade in Langzeitbeziehungen entsteht dadurch ein tragisches Missverständnis. Während die Partnerin möglicherweise Gespräch und emotionale Abstimmung sucht, zieht sich der Mann zurück, um sein Nervensystem zu stabilisieren. Beide handeln aus Bindungslogik – und fühlen sich dennoch allein. Wer diesen Mechanismus erkennt, gewinnt Handlungsfreiheit. Nähe und Autonomie sind keine Gegensätze, sondern zwei Pole innerer Selbstregulation.

Bewusste Beziehungsarbeit heißt deshalb nicht, „anders werden zu müssen“. Sie bedeutet, die eigene Stressdynamik zu verstehen, Gefühle differenzierter wahrzunehmen und Verantwortung für die eigene Regulation zu übernehmen. Das reduziert Konflikteskalation erheblich – und stärkt emotionale Resilienz.

Ausblick: Beziehung verstehen heißt, Freiheit gewinnen

Die Impulsvorträge in Berlin-Weißensee sind eine Einladung, Beziehung neu zu betrachten – wissenschaftlich fundiert durch Bindungstheorie und Neurobiologie, zugleich praxisnah und erfahrungsorientiert. Ziel ist es, Paaren und Männern eine Orientierung zu geben: Wo endet Kommunikation? Wo beginnen tiefere Bindungsmuster? Und wie können wir lernen, weniger persönlich zu nehmen, was in Wahrheit Schutzreaktionen unseres Nervensystems sind?

Weitere Termine im Kiez sind geplant. Wer sich für bewusste Liebe, Paarberatung in Berlin oder Männerarbeit mit Tiefgang interessiert, ist herzlich eingeladen. Beziehung ist kein Zufallsprodukt. Sie ist ein Lernfeld – für Selbstwahrnehmung, emotionale Reife und echte Verbundenheit.

Und vielleicht ist genau das der Kern:
Nicht mehr gegeneinander zu kämpfen – sondern gemeinsam zu verstehen, was in uns wirkt.

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